Psychische Erkrankung – Neurodiversität – Recovery: Konturen eines integrativen Forschungsfeldes für Ausbildung, Praxis und Forschung der Sozialen Arbeit
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IU Internationale Hochschule
Abstract
Die Diskurse zu psychischer Erkrankung, Neurodiversität und Recovery haben sich in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend parallel entwickelt, obwohl ihnen grundlegende Gemeinsamkeiten zugrunde liegen: die Kritik am medizinischen Defizitmodell und die Anerkennung von Erfahrungswissen als eigenständiger Erkenntnisquelle. Das vorliegende Diskussionspapier plädiert für eine systematische Zusammenführung dieser drei Perspektiven und skizziert die Konturen eines integrativen Forschungsfeldes für die Soziale Arbeit. Professionstheoretisch knüpft es an das Konzept reflexiver Professionalität (Dewe & Otto) an: Erfahrungen psychischer Krisen lassen sich als verdichtetes Praxiswissen verstehen, das reflexiv auf wissenschaftliches Wissen bezogen werden kann. Der Begriff des Sanismus dient dabei als sensibilisierender Terminus, der strukturelle Diskriminierung aufgrund psychischer Differenz sichtbar macht. Die Relevanz dieser Perspektive ergibt sich aus der spezifischen Positionierung der Sozialen Arbeit als Aufstiegsstudiengang und frauendominiertem Berufsfeld – Positionen, die intersektional mit dem sozialen Gradienten psychischer Belastung verschränkt sind. Das Papier entwickelt Implikationen für Ausbildung, Praxis und Forschung der Sozialen Arbeit.