Ludoratur: Zur ästhetischen Ereignisform des Spielvollzugs in digitalen Spielen
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IU Internationale Hochschule
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Digitale Spiele erzeugen Erfahrungen, deren konkrete Form weder vollständig im Spielartefakt angelegt noch allein den Spieler:innen zuzuschreiben ist. Regeln, Räume, Mechaniken und audiovisuelle Gestaltung eröffnen einen Möglichkeitsraum, der erst im Spielen aktualisiert wird. Dabei können Ereignisfolgen entstehen, die als komisch, spannend, tragisch oder melancholisch erfahren werden, ohne in dieser Form vorab gestaltet worden zu sein. Die Game Studies haben dieses Phänomen aus verschiedenen Richtungen beschrieben: als emergente Narration, als Alterbiographie, im Verhältnis von Mechanics, Dynamics und Aesthetics des MDA-Modells oder als Ästhetik des eigenen Handelns. Der Beitrag bündelt diese Ansätze im Begriff Ludoratur und gewinnt damit eine Analyseeinheit zwischen Spielartefakt und Rezeption, die sich über Kriterien prüfen lässt. Ludoratur bezeichnet weder eine Gattung noch eine Eigenschaft des Spielartefakts, sondern eine ästhetische Ereignisform: eine im Spielvollzug entstehende, als zusammenhängend und prägnant erfahrene Konfiguration, deren konkrete Gestalt nicht vorgeschrieben war. Der Beitrag grenzt den Begriff systematisch ab, formuliert vier Kriterien, unter denen ein Spielverlauf zur Ludoratur wird, erprobt sie an zwei Beispielen, diskutiert das Verhältnis von Vollzug und nachträglicher Erzählung und skizziert methodische Zugänge sowie Anschlussfragen für Forschung und Game Design.